Kommaszähmen leicht gemacht

Teil 1: Warum wir Kommas brauchen

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In deutschen Abituraufsätzen liegt der Anteil der Interpunktionsfehler an allen Fehlern bei knapp 47 %. Davon macht die Kommasetzung 90 % aus.

Hättest du das gedacht?

Sind wir ehrlich: wir schon. Denn die Kommasetzung wird auch nach dem Abitur nicht gerade besser, zumindest sprechen die Erstentwürfe der Bachelor- und Masterarbeiten, die wir redigieren, dafür.

Also: Setzt auch du deine Kommas nach Gefühl und weißt nicht wirklich, wie die Regeln dazu lauten? Wie viele andere gehörst du dann zu den Personen, die hier und da über ein Komma grübeln, das der Grübelei nicht wert ist. Denn die Kommasetzung ist nicht wie das Monster aus Loch Ness, das von mysteriösen Sagen umwoben ist. Im Gegenteil: Es gibt nur ein paar handfeste Regeln, aufgrund derer ein Komma Pflicht ist beziehungsweise nicht gesetzt werden darf; viele Kommas hingegen sind optional.

In unserer Blogreihe /kommasetzung stellen wir euch diese Regeln zur Kommasetzung vor und geben dir nützliche Tipps, mit denen du die Kommasetzung zum Kinderspiel machst.

Doch zunächst einmal: Warum müssen wir überhaupt Kommas setzen?

Du lernst in diesem Beitrag

Welche Funktionen Kommas haben

Grundlegende Regeln zur Kommasetzung

Sinn und Zweck von Kommas

Die Kommasetzung im Deutschen folgt klaren grammatikalischen Prinzipien. In erster Linie kann das Komma den Sinn eines Satzes verändern, weswegen es zur eindeutigen Kennzeichnung des Gemeinten eingesetzt wird. So werden Unklarheiten oder Zweideutigkeiten vermieden. Hier drei kleine Beispiele:

„Kommt wir essen, Kinder!“

vs.

„Kommt wir essen Kinder!“

„Max, sagt der Dozent, ist ein Faulpelz.“

vs.

„Max sagt, der Dozent ist ein Faulpelz.“

„Nicht aufhören!“

vs.

„Nicht, aufhören!

Diese Liste ließe sich noch viel länger fortsetzten. Aber schon diese wenigen Beispiele zeigen eindeutig, warum Kommas eine essenzielle Bedeutung zukommt.

Im Deutschen werden keine Kommas aus einer phonetischen Motivation heraus gesetzt, beispielsweise um Sprech- oder Lesepausen deutlich zu machen. Trotzdem erleichtern richtig gesetzte Kommas den Lesefluss, da sie häufig parallel zum Satzbau einzelne Satzteile abgrenzen. Bestimmt hast du das beim Lesen der obigen Beispiele automatisch umgesetzt. Im Umkehrschluss stören falsche oder fehlende Kommas die Dynamik beim Lesen.

Wie vermeidest du nun diese Fehler in deiner wissenschaftlichen Arbeit und garantierst deinen LeserInnen einen ununterbrochenen Lesefluss? 

Vorgehensweise und grundlegende Regeln

Um festzustellen, ob in deinem Satz(-gefüge) ein Komma stehen muss oder kann, musst du zunächst identifizieren, aus wie vielen Haupt- und Nebensätzen dein Satz besteht.

Zur Erinnerung: Ein Hauptsatz ist ein vollständiger unabhängiger Satz, ein Nebensatz ist an einen Hauptsatz geknüpft und beschreibt diesen näher. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn daran orientieren sich zum Großteil die Kommaregeln.

„Mayday, mayday“

Wenn du dir bei diesem Schritt unsicher bist, dann schau doch mal in meinen letzten Artikel zu „Topologie: Die Satzstellung im Deutschen“. Dort erkläre ich dir genauer, welche Satzarten es gibt und wie du sie erkennst: www.thesis-blog.de/topologie

Svenja

Svenja

Anglistin und Thesis-Pilotin

Hey, ich bin Svenja. Nach über 30 Hausarbeiten auf Deutsch und Englisch an den Unis Heidelberg und Edinburgh teile ich hier meine Erfahrungen mit dir. Bei Thesis-Pilot bin ich für das Coaching englischer Abschlussarbeit und deren Lektorat zuständig.

Dafür brenne ich: Reisen, Yoga und kreatives Heimwerken à la DIY.

Das ist mir wichtig: Spaß an dem was ich tue, Zuverlässigkeit und Organisation.

Weißt du nun aus welchen Satzarten dein Satz besteht, dann kommen diese drei grundlegenden Regeln zum Einsatz:

  1. Das Komma steht zwischen den Teilen von Reihungen oder Aufzählungen. Diese können einzelne Wörter oder auch Hauptsätze sein. Z. B.

„Ich kam, ich sah [das Kommamonster], ich siegte.“

  1. Das Komma steht zwischen Haupt- und Nebensatz (bzw. Nebensatzähnlichem). Z. B.

„Manche Kommas sind obligatorisch, damit der Sinn eindeutig wird.“

  1. Das Komma grenzt Zusätze Z. B.

„Kommt wir essen, Kinder!“

Wenn du diese drei Regeln beherzigst, ist schonmal der Grundstein für eine solide Kenntnis der deutschen Kommaregeln gesorgt. Doch wie fast überall gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Und genau deswegen beschäftige ich mich in den folgenden drei Blogartikeln mit jeweils einer übergeordneten Regel, die ich dir genauer erkläre und alle Ausnahmen aufzeige.

Zusammenfassung

Das Komma kann den Sinn eines Satzes verändern, weswegen es zur eindeutigen Kennzeichnung des Gemeinten eingesetzt wird. Richtig gesetzte Kommas tragen so oftmals zu einem strukturierten und angenehmen Lesefluss bei.

Ob im Deutschen ein Komma stehen muss oder darf, wird an drei grundlegenden grammatikalischen Regeln festgemacht: Ein Komma steht zwischen den Teilen von Reihungen der Aufzählungen, zwischen einem Haupt- und einem Nebensatz und grenzt Zusätze ab.

Quellen:

Esslinger, Gesine (2018): Sprachreflexive Zugänge zur Interpunktion des Deutschen durch Interpunktionsgespräche – Hintergründe und Möglichkeiten einer leserorientierten Interpunktionsdidaktik, Studia Neophilologica, 90:sup1, 125-150, DOI: 10.1080/00393274.2018.1531256 (zuletzt besucht am 21.05.2020).

Business-Schreibkurse: Mit der Kommasetzung auf Kriegsfuß? Hier die wichtigsten Regeln, online unter: https://www.business-schreibkurse.de/mit-der-kommasetzung-auf-kriegsfuss-hier-die-wichtigsten-regeln/ (zuletzt besucht am 21.05.2020).

Friedrich-Verlag: Den Sinn mit einem Komma verändern, online unter: https://www.friedrich-verlag.de/deutsch/rechtschreibung/komm-wir-essen-opa-wie-ein-komma-den-sinn-von-saetzen-veraendert/ (zuletzt besucht am 21.05.2020).

IDS Mannheim: Kommaregeln, online unter: http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf (zuletzt besucht am 21.05.2020).

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